Geschichte

Ein geschichtlicher Streifzug durch Nandlstadt

Hall-hart-aue, von dem wohl ursprünglich der Name Hallertau kommt, bezeichnete wahrscheinlich eine hügelige Wald- und Wiesenlandschaft. Und mitten in dieser sanften Hügellandschaft liegt der Markt Nandlstadt.

Und woher kommt der Ortsname? Zwei mögliche Deutungen gibt es: Einmal könnte Nandlstadt von einem Ortsgründer namens Nandolf herstammen. Es ist aber auch möglich, dass die Talmulde, in der Nandlstadt liegt, einst eine germanische Kultstätte war. In der keltischen Sprache bedeutet naomh "heilig". So könnte es durchaus auch sein, dass Nandlstadt, wie viele Orte in Bayern, keltischen Ursprung hat.

Die frühesten bekannten Siedlungsspuren im Gemeindebereich finden sich im Ortsteil Altfalterbach. Sie stammen aus der Bronzezeit (1800 - 500 v. Chr.). Aus dem Jahr 815 n. Chr. datiert der erste schriftliche Hinweis auf unseren Ort. Am 13. März dieses Jahres erwarb der Hofkapellan Wago von Zolling von seinem Neffen Toto eine Siedlung in der Gegend, wo der Nandolwespach in die Pfettrach mündet, um sie der Domkirche Freising zu übereignen. Vermutlich bezeichnete dieses Nandolwespach ursprünglich sowohl ein Gewässer als auch eine Siedlung. Schon kurze Zeit später, im Jahre 860, wurde in einer Tauschurkunde ein Hopfengarten in Gründl erwähnt. Auf diese lange Tradition im Anbau des grünen Goldes ist Nandlstadt zu Recht stolz, besonders, wenn man bedenkt, dass heute ein Viertel der Welthopfenernte in der Hallertau erzeugt wird.

1231 hatte sich Nandolstat dann bereits zu einem Dorf entwickelt. Im ältesten erhaltenen Urbar (= Abgabenbuch) der Wittelsbacher sind Abgaben aufgelistet, die der Ort zu erbringen hatte. Aber nicht nur der bayerische Herzog war Grundherr in Nandlstadt. Teile des Ortes waren wohl schon damals dem Reichsstift Niedermünster in Regensburg lehenspflichtig.

1315 wurde Nandlstadt zum ersten Mal als bereits bestehende Pfarrei genannt.

Und noch im gleichen Jahrhundert, nämlich am 7. Mai 1386, bestätigte Herzog Friedrich von Bayern den Nandlstädtern das Recht, Märkte abhalten zu dürfen. Tatsächlich muss dem Ort das Marktrecht aber schon früher verliehen worden sein. Das älteste erhaltene Siegel hängt an einer Urkunde der Herzöge gegen Mordbrand und Raub aus dem Jahr 1374. Und ein Siegel durfte nur geführt werden, wenn der Ort Markt im rechtlichen Sinne war.

Mit dem Marktrecht verbunden war die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit. Bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden in der Landschranne von Nandlstadt aber auch Angelegenheiten des Hochgerichts verhandelt. Dazu gehörten Grundeigentums- und Lehensstreitigkeiten, Mord, Notzucht, Diebstahl und Straßenraub. Zuständige Gerichte waren Inkofen und Moosburg. Da zu den Sitzungen der gesamte Gerichtsstab anreiste, der verpflegt werden wollte und sich natürlich auch - nicht nur zu den Hinrichtungen - Zuschauer einfanden, bedeuteten diese Veranstaltungen eine nicht zu verachtende Einnahmequelle für die Nandlstädter. 

Als um 1570 die Gerichtssitzungen wegen der hohen Kosten auf zwei im Jahr begrenzt wurden, hatte dies erhebliche wirtschaftliche Einbußen für die Marktbewohner zur Folge.

Dann kam der 30-jährige Krieg. Die Gemeinde war in dieser Zeit und in den Jahren danach so arm, dass sie sich weder einen Marktschreiber noch einen Schulmeister leisten konnte.  Wege und Anwesen verwahrlosten. Von Brandschatzungen der durchziehenden Truppen blieb Nandlstadt allerdings verschont. Und vermutlich hatten die Nandlstädter auch mit den Schweden Glück. Dafür gab es 1635 eine Pestepidemie in der Gegend.

18 Jahre nach Kriegsende, im Jahr 1666, vernichtete ein Großbrand 17 Häuser im Markt.

Vermutlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts erlosch die Grundherrschaft des Klosters Niedermünster und Grundherren aus Landshut, Neuburg, München und der Kirche traten an ihre Stelle.

Im Spanischen Erbfolgekrieg 1701 - 1714 wurden vom Markt Nandlstadt mehrmals Dienste gefordert.

Aus der Herdstätten-Veranlagung des Jahres 1717 geht hervor, dass es damals im Ort immerhin 31 Gewerbetreibende gab wie Färber, Metzger, Bäcker, Seiler usw.. Dazu kamen noch Wirte und Krämer.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741 - 1748) mussten die Nandlstädter für 159 Gulden Proviant, Weizen, Korn und Brot an die französische Armee liefern, die bei Dingolfing stand. Bei einer Einquartierung starb der französische Gendermerie-Brigadier Ludwig du Chatell in Nandlstadt.

Durch die fortschreitende Verbesserung der Landesgesetzgebung wurde das Hochgericht in Nandlstadt ganz aufgelöst und Folterungen verboten. Nur noch einfache Streitigkeiten durften nun verhandelt und bestraft werden. So steht in einer Urkunde von 1765 z. B., dass die Verhandlungen über gegebene Schmachworte wie Flögel, Lümmel, Pfoscher, Lugner, Esel, Schork, Sauschweif und noch einige kräftigere Ausdrücke weiter vorzunehmen sind und dass man auch die bürgerleiche Gefängnisstrafe weiterhin verhängen dürfe.

1811 wurde das Marktgebiet zum ersten Mal vermessen. Es gab damals neben dem Rathaus, der Kirche und dem Pfarrhof 80 Bürgerhäuser. Am 17. Februar 1814 erhielt Nandlstadt den Status einer Gemeinde im heutigen Sinn.

Nachdem 1848 die Grundherrschaft aufgehoben worden war, begann sich in der Hallertau der Hopfenanbau in größerem Stil zu etablieren. Das bedeutete einen kontinuierlichen wirtschaftlichen Aufschwung für den Ort. Im Jahr 1862 erhielt Nandlstadt sein eigenes Hopfensiegel zur Herkunfts- und Qualitätsbezeichnung und wurde damit zu einer der 14 Siegelgemeinden der Hallertau.

1863 begann Pfarrer Philipp Leibig mit dem Umbau der ursprünglich wesentlich kleineren Kirche. Errichtet wurde ein neugotischer Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor und angefügter zweigeschossiger Sakristei. Er wurde 1865 eingeweiht. Für einen neuen Turm, der für die nun viel größere Kirche von den Proportionen her mit seiner gedrungenen Zwiebelhaube viel zu klein war, reichte das Geld nicht mehr. Als 1881 ein Brand im Markt wütete, fing auch der Kirchturm Feuer und wurde dann durch den heutigen Spitzturm ersetzt. Ein kleiner gotischer Teil vom Ende des 15. Jahrhunderts blieb allerdings erhalten.

1881 wurde auch mit dem jetzt noch genutzten neugotischen Bau des Rathauses begonnen, dessen Zinnentürmchen noch heute das Ortsbild beherrscht. Auch die Bürgerhäuser der Marktstraße entstanden Ende des 19. Jahrhunderts.

Gegen Ende des Jahrhunderts setzte Pfarrer Philipp Leibig den Bau eines Klosters mit Mädchenschule und Kleinkinderbewahranstalt durch. Mehr als hundert Jahre wirkten von da an Arme Schulschwestern als Erzieherinnen in Nandlstadt.

Am 1. Mai 1909 öffnete sich für Nandlstadt dann mit der Jungfernfahrt des Holledauer Bockerls, der mittlerweile legendären Lokalbahn, das Tor zur Welt. Durch die Verbindung nach Freising und Mainburg konnte nun nicht nur der Hopfen problemlos abtransportiert werden; das Bockerl brachte auch die Hopfenzupfer in die Hallertau, Saisonarbeiter aus dem Bayerischen Wald und aus Böhmen, die dringend zur Ernte gebraucht wurden.

 

Wieder einmal einen wirtschaftlichen Einbruch brachte der 1. Weltkrieg. Nach dessen Beendigung wurde der Friedhof neu angelegt, ein Leichenhaus gebaut und das Waldbad errichtet.

Auch nach dem 2. Weltkrieg normalisierte sich das Leben nur langsam. Amerikanische Besatzung und der Zuzug von Flüchtlingen prägten die Nachkriegszeit.

Im Jahr 1972 konnte ein neues Schulhaus in Betrieb genommen werden, das mittlerweile bereits zwei Mal erweitert wurde.

Zum 1.1.1972 lösten sich die Gemeinden Baumgarten und Figlsdorf auf und schlossen sich dem Markt Nandlstadt an. Am 1.5.1978 wurde die Gemeinde Airischwand aufgelöst und Teile des Gebietes kamen ebenfalls zu Nandlstadt.